CRONENBERGER WOCHE vom 29./30. Oktober 2010

Hösterey „Still ruht der See…”

Fünf Jahre nach Anhörungen, Debatten und
Versammlungen schlummert die belastete
Firmenbrache einen „Dornröschenschlaf“’

Sudberg. Zum fünften Mal jährt sich in diesem Jahr ein Treffen in der Sudberger Gärtnerei Knof: Etwa 60 Interessierte fanden sich hier im Juni 2005 zusammen, um darüber zu diskutieren, was aus dem Grundstück der ehemaligen Härterei Hösterey wird. Anlass war zunächst der Wirbel um eine geplante Bebauung mit bis zu 27 Einfamilienhäusern. Im Herbst 2005 stellte sich dann heraus, dass Teile des Areals an der Sudberger Straße erheblich mit Schadstoffen belastet sind, darunter auch mit dem krebserregenden Chrom VI.
Schließlich mündete das Thema „Hösterey“ sogar in die Gründung eines Bürgervereins: Im Januar 2006 wurden die „Sudbürger“ auf den Weg gebracht. Als Bürgervereinsvorsitzende Sabine Böttcher und Sudbürger-Vizin Corinna Schlechtriem am Dienstag vor dem Hösterey-Grundstück standen, fiel ihre Bilanz ernüchtert aus: In den fünf Jahren hat sich nicht viel getan an der Sudberger Straße. Tanks und Fässer in der Härterei wurden zwar geleert, ein Bauzaun verhindert mehr oder weniger lückenlos das Betreten der Firmenbrache und ein Schild droht bei Zuwiderhandlung Strafe an – ansonsten schlummert die Altlast aber vor sich hin, es wächst sichtbar Gras und anderes Grün darüber.
„Das ist alles eigenartig und nicht durchschaubar“, versteht Corinna Schlechtriem nicht, dass die Altlast nicht saniert wird: „Es ist doch klar, was da für Schadstoffe drin sind.“ Eigentümlich finden die Sudbürgerinnen aber ebenso, dass nicht gebaut wird: „Das müsste doch im Interesse des Investors sein.“ Baurecht für zwei Doppelhäuser plus Garage an der zum Schöppenberg gelegenen Seite des Hösterey-Grundstückes besteht:
die Grundstücke, so wissen die Sudbürger, tauchen auch immer wieder in Immobilien-Plattformen im Internet auf – „Häuslebauer“ scheinen sich für die Objekte aber noch nicht gefunden zu haben.
Bei einem Treffen im April wollte der Grundstückseigentümer den Sudbürgerinnen Pläne vorlegen. Als Sabine Böttcher und Corinna Schlechtriem aber eine vorgelegte „Verschwiegenheitserklärung‘ vorweg nicht unterzeichnen wollten, hätten die Vertreter der Kölner Baufirma das Gespräch abgebrochen. Für Sommer kündigten die Firmenvertreter eine Bürgeranhörung an – zu hören war seit dem davon nichts mehr. Am Sudbürger Standpunkt hat sich nach den fünf Jahren nichts verändert: „Wir wollen, dass saniert und dann locker bebaut wird“, geben Sabine Böttcher und Corinna Schlechtriem zu Protokoll.

Wollen nicht, dass Gras darüber wachst: Sabine Böttcher (Ii.) und Corinna Schlechtriem vor dem Hösterey-Gelände.

Sorge macht dem Bürgerverein derweil der Wechsel an der Spitze des Bauordnungsamtes. von dem sich die Sudbürger bislang gut informiert fühlten. Sabine Böttcher:
„Wir fragen uns, ob die Stelle überhaupt wieder besetzt wird und wer uns dann wie begleitet.“ Fragen haben auch die Grünen: „Man hört ja überhaupt nichts mehr zu Hösterey“. bemängelt der Cronenberger Grünen-Ratsherr Peter Vorsteher – zur nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Cronenberg am 10. November wollen die Grünen daher eine Anfrage an die Verwaltung nach dem aktuellen Sachstand einbringen.

- verfasst 2010-11-06 18:34 in Kategorie:

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