Cronenberger Woche vom 5./6. Februar 2010

Unterkohfuhrt „Wir drücken uns nicht“

Nicht der schwarze Peter Inhaber der Firma
Baaske beteiligen sich an der Millionen- Sanierung eines früheren Grundstückes.

Antonella und Calogero Lo Bue beteiligen sich nach Kräften an der Sanierung der Unterkohlfurther Altlast

Cronenberg. Antonella und Callogero Lo Bue stellen klar: „Wir sind nicht abgehauen, wir stellen uns.“ Das klingt kämpferisch, und in gewisser Weise befindet sich das Unternehmer-Ehepaar auch in einem Kampf: Seitdem bekannt ist, dass ein früherer Standort ihrer Galvanikfirma Baaske in der Unterkohlfurth mit Altlasten belastet ist und für 3,2 Millionen Euro saniert werden muss, hat Antonella Lo Bue viele Fragen zu beantworten, wenn sie „im Dorf” zum Einkaufen unterwegs ist.
Ganz abgesehen von dem wirtschaftlichen Kraftakt, den die Inhaber der Firma Baaske zu stemmen haben: Auf etwa 800.000 Euro beziffern Antonella und Calogero Lo Bue ihren Gesamtaufwand im Rahmen der Sanierungsmaßnahme. Allein der Baaske-Anteil an der Säuberung des Unterkohlfurther Firmengrundstückes beträgt rund 350.000 Euro. Allen Kritikern gibt das Ehepaar zu bedenken, dass es persönlich nicht Verursacher der Verunreinigungen sei, sie hätten erst vor sechs Jahren die Firma übernommen: „Wir hätten uns der Verantwortung entziehen können, wie es anderswo überall geschieht“, sagen die Lo Bues, aber: „Dann wären auch 40 Arbeitsplätze weg gewesen“.
Obgleich sie wirtschaftlich harte Jahre zu stemmen haben, investierten die Baaske-Inhaber kräftig in ihren Stammsitz in Herichhausen – Ergebnis: „Die Behörden sagen uns heute, dass wir ein Musterbetrieb sind.“ Und auch das ist die Botschaft von Antonella und Callogero Lo Bue: Die Unterkohlfurther Altlast sei ein Konglomerat aus den verschiedensten Gründen und Ursachen: jahrhundertlange Nutzung durch verschiedene Firmen, fehlende Kenntnisse, kaum Umweltbewusstsein, laxer Umgang mit Gefahrstoffen, aber auch kaum Vorschriften vor einem halben Jahrhundert – Ergebnis. „Unsere Generation muss die Sünden der Vergangenheit ausbügeln“, meint Calogero Lo Bue. Dass sie an der Sanierung mitwirken, erfüllt Antonella Lo Bue sogar mit „ein bisschen Stolz“: „Wir fühlen uns ja schließlich auch mit Cronenberg verbunden.“ Und tatsächlich ist die Beteiligung einer Firma nicht alltäglich: Der typische Fall in ihrer Praxis sei, dass ein Firmengelände erst nach der Insolvenz des Nutzers als Sanierungsfall erkennbar wird, berichtet Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel vom Altlastensanierungs- und Altlastenaufarbeitungsverbandes (AAV) NRW, der den Löwenanteil der Millionen-Sanierung trägt: „Ich finde das schon außergewöhnlich, dass man sich hier der Verantwortung stellt – das muss man hoch anrechnen.“

Zu einem Infoabend zu der Sanierung berichten wir in der nächsten CW.

- verfasst 2010-02-08 21:37 in Kategorie:

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