Westdeutsche Rundschau vom 6. Januar 2010

Ein Wettlauf mit der Zeit

Müngstener Brücke wird kontinuierlich instand gesetzt

Gute Pflege ist etwas anderes. Wer sich die Müngstener Brücke genauer ansieht, kann vor Rost und abplatzender Farbe nicht die Augen verschließen. Foto: Conrads

Die Müngstener Brücke ist in die Jahre gekommen, an vielen Stellen platzt schon die Farbe ab. Der mangelhafte Pflegezustand gefährdet die am 15. Juli 1897 eingeweihte Eisenbahnbrücke langfristig. Wie lange die fast 5.000 Tonnen schwere Konstruktion aus, “Flusseisen“ unter diesen Umständen noch hält, bleibt eine unbeantwortete Frage.

„Das weit über 100 Jahre alte Bauwerk muss von der Deutschen Bahn AG in den nächsten Jahren umfassend saniert werden“, fordert Thomas Wängler, Leiter des Stabsbereichs Verkehr bei der bergischen IHK. Alle notwendigen Maßnahmen dazu müssten frühzeitig mit den Kommunen, dem VRR und den betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen abgestimmt werden. „Und auch die Fahrgäste müssen wissen, woran sie sind“, mahnt Wängler, „ein Kommunikations-Chaos wie im November, als unklar war, ob die Brücke für den Güterverkehr gesperrt ist, darf sich nicht wiederholen.“

Neue statische Berechnungen

Dass etwas getan werden muss, weiß auch die Bahn. Auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Jürgen Kucharczyk (SPD) hatte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Achim Großmann, im März 2009 allerdings betont, dass nach seinen Erkenntnissen korrodierte Elemente durch vorgefertigte, rostgeschützte Bauteile ersetzt werden könnten. Sperrungen in Folge sicherheitsrelevanter Mängel seien dabei nicht zu erwarten. Großmann wies darauf hin, dass eine komplette Erneuerung des Korrosionsschutzes nur unter beträchtlichen Auflagen des Umweltschutzes und der Denkmalpflege mit Kosten zwischen 15 und 20 Millionen Euro zu realisieren sei.
Bei der Bahn laufen derzeit neue statische Berechnungen, „damit 2010 über zielgerichtete Instandsetzungsarbeiten entschieden werden kann“, so DB-Sprecher Udo Kampschulte, „in die Strecke wurde und wird im Rahmen von Instandhaltungsmaßnahmen investiert.“ Aktuell hat auch die Aufsichtsbehörde keine bedenken. „Das Eisenbahn-Bundesamt kann zwar in die Hoheit der Bahn eingreifen und Strecken sperren, Voraussetzung ist aber ein großer Schaden und eine Verhältnismäßigkeit zu den Auswirkungen“, antwortet Amtssprecher Ralph Fischer auf Rundschau-Anfrage. Seine Behörde setzt auf milde Mittel, ausreichende DB-Regelwerke und Verantwortungsbewusstsein bei der Bahn. Die Frage, was passiert, wenn keine Züge mehr über die Müngstener Brücke rollen dürfen und das bergische Wahrzeichen nutzlos den Brückenpark überspannt, bezeichnet Fischer als „Spekulation“. Und Udo Kampschulte: „Nach jetzigem Kenntnisstand nicht vorstellbar.“

„Wie in der DDR“

Zu den wetterbedingten Problemen im Herbst erklärt Kampschulte: „Die so genannte Schmierfilmbildung tritt auch auf dieser Strecke auf. Vorbereitende Maßnahmen, um den Auswirkungen entgegenzuwirken, sind Vegetationsrückschnitt, Einsatz eines Schienenpflegesystems und das Fahren mit zwei Motorwagen.“ Diese Maßnahmen hätten bis auf wenige Ausnahmetage funktioniert. Heinz-Helmut Kemkes, Vizepräsident der bergischen IHK, kontert: „Wenn das Service sein soll, ist der wohl bei der ehemaligen DDR-Reichsbahn abgeschaut.“
Klaus-Günther Conrads

- verfasst 2010-01-10 17:36 in Kategorie:

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