Cronenberger Woche vom 13./14. Juni 2008 Seite 4

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Weniger kann mehr sein

Betr.: “Wir gehen sorgsam mit Flächen um”, Offener Brief von OB Peter Jung, CW v. 6.6.2008

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

ich beziehe mich auf ihren offenen Brief in der Cronenberger Woche vom 6.06.08 über die geplanten Baumaßnahmen in Cronenberg. Meine Kritik an der Größe der geplanten Baumaßnahmen bezieht sich zuerst einmal auf drei Baugebiete in Cronenberg.

Mit dem 1. Baugebiet südlich der Solingerstr. ist die Wiese hinter dem Verwaltungsgebäude Cronenberg gemeint, wo ihr Bauordungsamt 30 Wohneinheiten zulassen will. Die verkehrliche Andienung des Gebietes soll durch die Straße Unterkirchen
erfolgen, die bereits durch den Bau der beiden Supermärkte auf dem ehemaligen WSW-Gelände zusätzlich stark belastet wird – ebenso wie die Kreuzung Berghauser Straße.

Die 2. Baumaßnahme, die ich kritisiere, ist die Fläche Stiepelhaus
in Mittelsudberg auf der 13 Wohneinheiten gebaut werden sollen.
Der Weg zu dieser Baufläche ist gerade einmal 2,50 Meter breit und die Feuerwehr hat wiederholt darauf aufmerksam gemacht dass sie mit ihren Fahrzeugen in Notfällen diese Flächen nicht erreichen kann. Ihr Bauordnungsamt will dort eine Baugenehmigung aussprechen. Ich frage mich, wem gehört diese Fläche?!

Kommen wir zu 3. Baumaßnahme „Hensges Neuhaus“, hier will ihr Bauordnungsamt 31 Wohneinheiten zulassen. Wenn man genau hinschaut, soll aber nicht in Hensges Neuhaus gebaut werden, sondern auf die obere Pferdewiese im Bezirk Vonkeln. Eine Andienung über die Strasse Vonkeln scheiterte in der Vergangenheit an der Straßenbreite von 3,40 m. Die Strasse Hensges Neuhaus ist an ihrer schmalsten Stelle 3,10 breit. Die Strasse ist damit jetzt schon so schmal, dass ein PKW und ein Motorrad nicht aneinander vorbeifahren können. Durch die geplante Bebauung kämen weitere 60 Fahrzeuge der künftigen Anwohner/innen hinzu. Die Straße wird so mit mindestens 120 Fahrzeugbewegungen zusätzlich belastet

Das Fazit für mich ist, an einer konsequenten Innen-stadtentwicklung von Sonnborn bis Oberbarmen geht kein Weg vorbei! Dazu braucht die Stadt eine Quartiersentwicklungsgesellschaft, die effektiv arbeiten kann. Ihre Aufgabe ist es, mit den Hauseigentümern eines Viertels Konzepte für deren Aufwertung zu entwickeln. Leider stehen hierfür nur zwei Teilzeitkräfte zur Verfügung – während zum Vergleich der kommunale Ordnungsdienst über 30 (!) Kräfte verfügen kann.

Auch rechts und links der Talachse gäbe es zahlreiche Möglichkeiten, attraktiven Wohnraum für junge Familien zu schaffen. Ein Beispiel: an der Friedrich-Ebert-Strasse sind endlich viele alte Fabrikgebäude an der Wupper abgerissen worden. Wer aber geglaubt hat, jetzt würden hier ein Wohnpark an der Wupper, schöne Stadthäuser oder Reihenhäuser gebaut, wird sich getäuscht fühlen. Auf dieser Fläche entstehen nur Supermärkte, eine Tankstelle und Gebäude von Fast Food – Ketten – was für eine Flächenverschwendung!

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen ein Zitat der Baden-Württembergischen Umweltministerin Tanja Göllner (CDU) nicht vorenthalten: „Über Artenvielfalt zu reden und gleichzeitig in Deutschland fröhlich weiterhin Flächen zu versiegeln, passt nicht zusammen.“ (aus FOCUS Nr. 23/08).

Abschließend bleibe ich dabei: die Zukunft Wuppertals im demografischen Wandel kann nicht im Bezirk Cronenberg gerettet werden – sie muss sich in erster Linie im Tal der Wupper zwischen Sonnborn und Oberbarmen entwickeln.

Peter Vorsteher
Fraktionssprecher der
Grünen Ratsfraktion
petervorsteher@t-online.de

- verfasst 2008-06-13 19:39 in Kategorie:

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