Cronenberger Woche vom 6./7. Juni 2008

Leserbriefe Leserbriefe

„Wir gehen sorgsam mit Flächen um”

Betr.: „Geplant: 175 Neubauten im CW-Land“, CW v. 30.5.2008; Offner Brief von Oberbürgermeister Peter Jung an den Stadtverordneten Peter Vorsteher (Grüne)

Sehr geehrter Herr Vorsteher,
ich beziehe mich auf den in der Cronenberger Woche veröffentlichten Artikel zu den in der nächsten Zeit geplanten Wohnbauflächen. Darin werden Sie mit einigen Aussagen zitiert, die ich so nicht stehen lassen kann!
Sie kritisieren im Kern den Umfang der Wohnbauflächen-
ausweisung und werden zitiert „Das ist eine Kampfansage an alle Cronenberger und „Da ist ja fast jede Grüne Wiese in Gefahr“

Ich glaube, sehr geehrter Herr Vorsteher, Sie haben die Zusammenhänge missverstanden: deshalb möchte ich folgendes klarstellen: Grundlage der Planung für die Flächenentwicklung und — nutzung in unserer Stadt ist der Flächennutzungsplan (FNP). Der Rat hat dazu nach jahrelangen intensiven Vorbereitungen, Vorberatungen, Beteiligungen/Anhörungen und sonstigen Diskussionsprozessen den Feststellungsbeschluss in der Sitzung am 29.03.2004 mit großer Mehrheit gefasst. Dieses demokratische Votum sollten auch Sie – selbst wenn Sie damals gegen die Vorlage gestimmt haben – akzeptieren.
Der FNP macht insbesondere auch Aussagen zu neuen Wohnbauflächen — bezogen auf einen Planungszeitraum bis Ende 2015, hier wird — und dies können Sie expliziert der Vorlage entnehmen — ein Bedarf an Grundstücken für 3200 Wohneinheiten in Einfamilienhäusern prognostiziert. In der Antwort auf die Anfrage der FDP — Fraktion wird unter Punkt 4 dargestellt, welche Wohnbauflächen zurzeit in der Planung sind. In der Summe handelt es sich um 33 Flächen mit cirka 58 Hektar Gesamtfläche und 1250 Wohneinheiten im Ein- und Zweifamilienhausbau.
Die einzelnen Verfahren haben einen unterschiedlichen Planungsstand. Dass wir trotz weiter zurückgehender Bevölkerungszahlen neue Baugebiete ausweisen müssen, bestätigen uns aktuelle Studien. Unser Ziel muss es nämlich sein, den Negativtrend der Abwanderung, gerade junger Familien, in das Umland zu stoppen und möglichst auch umzukehren.
Ein Instrument dazu ist, attraktive Wohnbedingungen in Wuppertal zu schaffen – und eben auch ein optimales Angebot an Ein- und Zweifamilienhäusern bereitzuhalten. Viele verlassen nämlich Wuppertal deshalb, weil sie sich hier ihren Wunsch nach den eigenen vier Wänden zu bezahlbaren Preisen nicht erfüllen können. Selbstverständlich — und dies ist unbestritten — müssen wir auch andere Rahmenbedingungen verbessern — aber auch hier sind wir, zum Beispiel was familienfreundliche Projekte und Maßnahmen anbelangt, auf einem guten Wege.
Die in der Vorlage angeführten Flächen zeigen die Zielvorstellung der Verwaltung — abgeleitet aus dem FNP — auf. Für die Bebauung jeder einzelnen Fläche ist selbstverständlich eine politische Entscheidung erforderlich. Ich kann nicht erkennen, dass wir — wie Sie es formulieren — sämtliche Bodenhaftung verloren hätten. Wir reagieren mit unseren Planungen auf einen konkret bestehenden Bedarf und wollen Wuppertal so attraktiver machen – auch für Bürger, die hier ihren neuen Wohnsitz nehmen möchten. Wir gehen auch sehr sorgsam mit dem Flächenverbrauch um und bemühen, uns einen großen Teil des Wuppertaler Wohnungsbaus auf Umnutzungsflächen oder im ungeplanten Innenbereich zu realisieren.
Ein Letztes zu dem von Ihnen in dem Artikel zitierten „Alternativvorschlag“: Selbstverständlich prüfen wir seit längerer Zeit, welche Objekte möglicherweise für Rückbaumaßnahmen in Betracht kommen — wie Sie sicherlich aber wissen, handelt es sich gerade im Geschosswohnungsbau um Gebäude, die sich nicht im Eigentum der Stadt befinden — und insofern sind hier die Möglichkeiten der Einflussnahme nur sehr eingeschränkt gegeben.
Sehr geehrter Herr Vorsteher, ich hoffe, ich konnte Ihnen die Intentionen der Stadt Wuppertal in der Wohnungspolitik deutlich machen. Im übrigen werden wir bald ein Handlungsprogramm Wohnen auf den Weg bringen, das die Gesamtthematik vertieft beleucht und auch weitergehende konkrete Vorschläge unterbreiten wird.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Jung
Oberbürgermeister der Stadt
Wuppertal
Johannes-Rau-Platz 1
42275 Wuppertal

- verfasst 2008-06-07 17:42 in Kategorie:

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