Westdeutsche Zeitum vom 30. Mai 2008

Stadtteil-Check Wuppertal

Sabine Böttcher mit der 14-jährigen Lina auf einer der Pferdekoppeln im beschaulichen Sudberg.

Ein Leben wie im fernen Bullerbü

SUDBERG Am Südzipfel Wuppertals herrscht ländliche Gemächlichkeit — das liebt man hier.

Von Philipp Wurm

Sudberg ist ein idyllischer Stadtteil am äußersten Stadtrand, gelegen am südlichsten Zipfel Wuppertals. So viel zur geografischen Lage. Wer aber eine Beschreibung verlangt, die darüber hinaus geht und so etwas wie ein Lebensgefühl ausdrückt — der muss mit Sabine Böttcher sprechen. Die 37-jährige Mutter von drei Kindern wohnt nicht nur hier und ist im örtlichen Bürgerverein „Sudbürger“ aktiv, sie weiß auch, wie man dem Stadtteil mit bloßen Worten den Hof macht. „Hier ist es wie in Bullerbü“, schwärmt sie in Anspielung auf das berühmte Astrid-Lindgren-Buch. Ein Kompliment, keine Frage, in dem sich die Eigenschaften von Sudberg ausdrücken. Auf den Straßen des Stadtteils, in dem laut Böttcher „die Welt noch in Ordnung ist“, ziehen Kinder in Bollerwagen, ruhen Pferde auf einer der vielen Koppeln, ist Vogelgezwitscher das vorherrschende Geräusch.
Das klingt schon fast kitschig. Was den vielen Familien, die hier wohnen, allerdings herzlich egal ist. Die wollen die ländliche Gemächlichkeit und die Wälder ringsherum nicht missen. „Viele junge Leute, die hierher kommen, fragen sich erst einmal, was sie hier sollen, so weit draußen auf dem Land“, erzählt Böttcher.
„Wenn sie sich aber einmal länger hier aufhalten, gar hierhin ziehen, schließen sie den Stadtteil unweigerlich in ihr Herz.“
Im Gegenzug nehmen die Sudberger gerne in Kauf, dass die Infrastruktur besser sein könnte. Ein Bäcker und ein Kiosk fristen ein einsames Dasein — sonst gibt es keine Geschäfte. Da muss man schon mal öfter mit dem Auto das benachbarte Cronenberg ansteuern.

Die Dorfgemeinschaft mischt
sich erfolgreich in die Politik ein

Die Abgeschiedenheit ist vielleicht auch der Grund dafür, dass die Sudberger so gut zusammenhalten, eine funktionierende Dorfgemeinschaft bilden. Im kommunalpolitischen Engagement der „Sudbürger“ spiegelt sich dieser Zusammenhalt wider. Ein Beispiel: „2006 haben wir geschlossen gegen Baupläne auf dem alten Fabrikgelände an der Sudberger Straße protestiert“, erinnert sich Böttcher. Die mit 27 Einfamilienhäusern ziemlich ausladende Bebauung hätte den Dorfcharakter zerstört, wurde argumentiert. Die „Sudbürger“ konnten einen Teilerfolg verbuchen. „Nach derzeitigem Stand sollen nur vier neue Häuser gebaut werden“, sagt Böttcher. Für sie sieht es ganz danach aus, dass Sudberg eine Idylle bleibt.

- verfasst 2008-05-30 19:22 in Kategorie:

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