Cronenberger Woche vom 18./19. April 2008 Seite 7

„Mutwillige Zerstörung
funktionierender Strukturen“

Hauptschule Cronenberg: Schulausschuss „nickt“ mit den Stimmen von CDU und SPD den Schulentwicklungsplan „ ab “.

Cronenberg. Die Hoffnung schwindet langsam an der Berghauser Straße, aber aufgeben will man nicht. Der Schulentwicklungsplan hat Dienstagnachmittag die erste Hürde genommen: Mit den Stimmen von CDU und SPD passierte der Plan den Schulausschuss. Am 5. Mai wird der Stadtrat nun über das Schicksal der von der Schließung bedrohten Hauptschule Cronenberg entscheiden.
„Die Schließung der Hauptschule Berghauser Straße käme der mutwilligen Zerstörung funktionierender Strukturen im Stadtteil Cronenberg gleich“, hatte das Grünen-Ausschussmitglied Marc Schulz schon vor der Sitzung verlauten lassen: „Man muss die Vernetzung der Schule im Stadtteil berücksichtigen“, wies Schulz erneut auf die große Solidarität von Cronenberger Bürgern und Wirtschaft zu ihrer Hauptschule hin. Eine mögliche Lösung: Die CDU-geführte Landesregierung empfehle den Schulträgern zur Sicherstellung eines wohnortnahen und differenzierten Bildungsangebots die Einrichtung von Verbundschulen.
Dafür sieht man seitens der Stadt aber keine Notwendigkeit: „Ein wohnortnahes Angebot ist in Wuppertal sichergestellt“, konterte Interims -Schuldezernent Dr. Stefan Kühn. Eine solche Empfehlung beziehe sich auf ländliche Gegenden, in Wuppertal müsse nicht in jedem Stadtteil eine Schule sein.
Schulausschuss-Vorsitzender Peter Engelmann brachte eine mögliche Alternative ins Spiel: Man könne doch einen Verbund der Hauptschule mit der Friedrich-Bayer- Realschule prüfen. Schließlich komme es mit einer geplanten 6. Gesamtschule zu einer Veränderung der bisher durch die Verwaltung errechneten Zahlen: „Das sollte man einplanen, bevor man Schulen schließt“, mahnte Engelmann: „In Cronenberg geht der Aufschrei weit über das normale Maß hinaus, man darf das nicht unbeachtet lassen.
Auch Karl-Friedrich Kühme (CDU) war das nicht entgangen:
„Die Hauptschulen in Wuppertal haben eine entscheidende Lobby.“ Aber als Schulträger könne man sich nur um die äußeren Angelegenheiten kümmern – und die sähen vor, dass zwei Schulen geschlossen werden müssten: „Wir entscheiden welche“, erklärte Kühme die schwierige Aufgabe von Verwaltung und Politik. Und so nutzte letztlich auch die ausführliche Stellungnahme der Hauptschule nicht, die „große Koalition“ im Ausschuss umzustimmen. Ebenso abgewiesen wurde auch der Antrag der Grünen, die Hauptschule Cronenberg als Verbundschule weiterleben zu lassen:
„Der Grünen Antrag ist vom Prinzip Hoffnung geprägt“, so Kühme. Enttäuscht zeigte sich Schulleiter Wolfgang Buchholz nach der Sitzung „Mit Argumenten komm man nicht weit“, bilanzierte er der Rückschlag. Doch auch davon lassen sich Eltern, Lehrer und Schüler nicht entmutigen. Der Kampf geht weiter, jetzt wohl mit einem Bürgerbegehren.

Kommentar

D ass manchmal auch unbequeme Entscheidungen von der Politik getroffen werden müssen, ist klar. Man kann es schließlich nicht allen recht machen. Wenn im Falle der Schließung der Hauptschule am Lenzhaus aber 6.000 Menschen ihre Unterschrift gegen die Schließung abgeben, sich die Wirtschaft in einem Stadtteil geschlossen hinter die Schule stellt und diese sogar noch Unterstützung von den benachbarten Schulen auf Küllenhahn erhält, dann muss wohl an dem Widerstand was „dran“ sein.

I n Cronenberg funktioniert der Zusammenhalt noch, der an anderen Schulen oftmals vermisst wird. Nach Aufhebung der Schulbezirksgrenzen damit zu argumentieren, dass zu wenig Cronenberger die Hauptschule besuchen, leuchtet nicht ein. Zumal die Schüler gerne auf die .Südhöhen kommen und sich für ihre Schule einsetzen. Wenn der Schulausschuss nach kurzer Diskussion den Schulentwicklungsplan einfach mit den Stimmen der „großen Koalition“ durch nickt, konstruktive Ideen – weil sie „dem Prinzip Hoffnung“ entsprächen – ablehnt und über die entsetzten Gesichter in Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft hinweg- sieht, dann muss man sich nicht wundern, wenn Politikverdrossenheit zunimmt. Denn die heutigen Schüler der Hauptschule sind die Wähler von morgen.
Marcus Müller

- verfasst 2008-04-19 20:27 in Kategorie:

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