Westdeutsche Zeitung vom 7.03.2008

Cronenberg Hahnerberg Seite 1

Bürger wollen die Hauptschule

INTERVIEW Oberbürgermeister Peter Jung hält die Schließung wegen des demografischen Wandels für notwendig.

Von Jürgen Eschmann

In seiner Sitzung am 5.Mai 2008 wird der Rat der Stadt Wuppertal über die von der Verwaltung vorgeschlagene Schließung der Hauptschule Cronenberg entscheiden. Gibt es in letzter Minute noch ein Zurück? Hat die ebenso traditionsreiche wie anerkannte Schule am Lenzhaus noch eine Chance? Eine Frage, die seit Wochen für Zündstoff auf den Südhöhen sorgt. Das einmütige Votum aller Bürgerinnen und Bürger lautet Die Hauptschule Cronenberg muss erhalten bleiben. WZ-Mitarbeiter Jürgen Eschmann sprach mit Wuppertals Verwaltungschef, Oberbürgermeister Peter Jung.
Frage: Die im Entwurf des Schulentwicklungsplans
2007-2013 vorgeschlagene Schließung der Hauptschule Cronenberg bis 2014 trifft ani Ort auf massive Proteste nicht nur von Schulleitung, Schülern und Eltern. Die Gemeinschaft Cronenberger Unternehmen, die politischen Parteien, alle vier Bürgervereine und nicht zuletzt die Cronenberger Bevölkerung mit einer Ihnen vorliegenden, über 6000 Unterschriften umfassenden Liste sprechen sich vehement gegen die Schließung aus. Wird sich die Stadt diesem Votum verschließen?

Jung: Der Vorschlag zur Schließung der Hauptschule Cronenberg fällt mir gerade auch als Cronenberger sehr schwer. Aber angesichts des demografischen Wandels in Wuppertal ist die Stadt gezwungen, Schulen zu schließen. Allein die Hauptschulen haben in den vergangenen zwölf Jahren einen Rückgang der Schülerzahlen von 19 Prozent zu beklagen. Bis 2013 wird ein weiterer Rückgang von 18 Prozent erwartet. Das bestehende Angebot ist damit nicht aufrecht zu erhalten. Nun müssen wir handeln, um die Schulen weiter in die Lage zu versetzen, ein qualitätsvolles Bildungsangebot zu machen. Alles andere wäre verantwortungslos! Der Schal- entwicklungsplan ist die Antwort der Stadtverwaltung auf diese Entwicklung und ihre Folgen. Wir haben die Zahlen der letzten Jahre sorgfältig analysiert. So sehen wir heute, dass die Konsequenzen aus den Prognosen zur Grundschulentwicklung richtig waren. Mit der Entwicklungsplanung für die weiterführenden Schulen knüpfen wir genau da an. Und es gibt auch gute
Nachrichten: Damit haben die Realschulen und Gymnasien, deren Bestand ausnahmslos bis mindestens 2013 gesichert ist, Planungssicherheit gewonnen — das bedeutet eine wichtige Stärkung! Dass nun die Cronenberger Hauptschule zur Schließung vorgeschlagen ist, ist schmerzlich, ergibt aber im Rahmen der Gesamtplanung Sinn. Außerdem gebe ich zu bedenken, dass diejenigen, die sich gegen die Schließung aussprechen, damit automatisch für die Schließung einer anderen Schule votieren. Das muss allen klar sein! Für das Procedere gilt: Die Vorlage durchläuft nun die üblichen Diskussions- und Beteiigungsverfahren. Erst danach wird im Rat abgestimmt.

Frage: Das 1910 von der damaligen Stadt Cronenberg als Realschule errichtete Haupt- schulgebäude an der Berghauser Straße wurde ab 1975 mit einem Aufwand von 3227500 Mark renoviert, umgebaut und mit einem Erweiterungsbau versehen. Seit August 1977 ist hier die angesehene und im besten Sinne funktionierende Hauptschule Cronenberg zu Hause. Was geschieht mit dem Schulkomplex am Lenzhaus, sollte der Rat der Stadt Wuppertal in seiner Sitzung am 5. Mai tatsächlich der Schließung zustimmen?
Jung: Das lässt sich erst beantworten, wenn der Rat am 5. Mai über die Vorlage abgestimmt hat Bis 2014 bleibt auf jeden Fall alles, wie es ist — denn bis dahin werden noch alle Jahrgänge, die an der Schule angemeldet sind oder sie schon besuchen, ihren Hauptschulabschluss an der Hauptschule Cronenberg machen können.

Frage: Werden Sie sich, wie in der Ortspresse zu lesen, dafür einsetzen, dass am Standort der Hauptschule Cronenberg die von der Stadt geplante sechste Gesamtschule eingerichtet wird?
Jung: Eine weitere Gesamtschule ist vernünftigerweise in einem bereits bestehenden Schulgebäude am besten untergebracht. Dafür werden alle möglichen Standorte im Stadtgebiet geprüft. Dabei wird abzuwägen sein, wie nötige Investitionen am sinn- vollsten einzusetzen sind. Fest steht jedoch, dass es in diesem Verfahren keine Tabus geben darf, um die beste Lösung zu erzielen.

Frage: Der Stadtkämmerer hat angekündigt, kein Geld mehr in die beiden zur Schließung anstehenden Hauptschulen zu investieren. Wie will die Stadt Wuppertal unter dieser einschneidenden Prämisse die zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebes erforderlichen, laufenden baulichen Erhaltungsmaßnahmen garantieren?
Jung: Mit dieser Planung schaffen wir lnvestitionssicherheit
— für die Stadt und die Schulen gleichermaßen. Für die Hauptschule Cronenberg bedeutet das ganz konkret, dass
erforderliche Erhaltungsmaßnahmen garantiert sind. Die Aufrehterhaltung des Schulbetriebs wird auf jeden Fall sichergestellt, alles notwendige wird gemacht. Denn schließlich soll noch eine ganze Reihe von Schülerinnen und Schülern dort den Abschluss machen.

DISKUSSION

HAUPTSCHULE Zu einer Podiumsdiskussion zur angedachten Schulschließung lädt die Schulpflegschaft der Hauptschule am Donnerstag,13. März, um 19 Uhr in die Schulaula ein. Von den Ratsfraktionen sind dabei die stellvertretenden Vorsitzenden der SPD Oliver Wagner und Andreas Weigel (CDU), der Sprecher der Grünen im Rat Peter Vorsteher, von der FDP Walter Thomann, von der GCU Peter Capellen sowie die Pflegschafts-Vorsitzende Eva Bilstein und Schulleiter Wolfgang Buchholz anwesend.

- verfasst 2008-03-08 21:49 in Kategorie:

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