Westdeutsche Zeitung vom 9. Februar 2008

Machte seinem Unmut Luft: Wilfried Klinke hielt der Stadt bei WZ mobil vor, dass sie jahrelang für die Versickerung von Regenwasser auf privaten Grund geworben hat und nun den Anschluss genau solcher Flächen an den Regenwasserkanal erzwingt — für etliche tausend Euro.
Fotos: Uwe Schinkel

Wut über die Kehrtwende

CRONENBERG Bei WZ mobil zum
Regenkanal am Nettenberg schlugen
gestern die Wogen hoch.

Von Stefan Melneczuk

Sie wird sehr schnell sehr grundsätzlich — die Diskussion über den erzwungenen Anschluss an den Regenwasserkanal vom Nettenberg. Auch aus anderen Stadtteilen sind Wuppertaler nach Cronenberg gekommen, um im Rahmen von WZ mobil mit Vertretern der Stadt und der Stadtwerke über den so genannten Paradigmenwechsel beim Umgang mit Regenwasser zu diskutieren.

Kosten von mehreren tausend Euro
und Unverständnis für die Stadt

Dieser hat —wie berichtet — am Nettenberg zur Folge, dass gut 40 Hausbesitzer ihre Grundstücke für mehrere tausend Euro an den öffentlichen Regenwasserkanal anschließen lassen müssen. „In der Haltung der Stadt kann ich keinen guten Willen erkennen“, bringt es Klaus Rummenhöller für sich auf den Punkt „Es geht nur ums Geld.“ Dass Betroffene mit Versickerungssystemen, auf diese Weise an den Kanal gezwungen werden, sei nicht nachzuvollziehen.

Während Kurt-Jürgen Dawin eigens aus Vohwinkel angereist ist, um sich ein Bild von der Diskussion zu machen, wohnen Birgitt und Markus Hilbert im Ortsteil Linde und haben in den vergangenen Jahren viel zeit und Geld in die Regenwasser-Versickerung auf ihrem Grundstück investiert. „Wir haben uns bemüht, ökologisch zu bauen und werden jetzt dafür bestraft“, meint Birgitt Hilbert. „Man sollte sich überlegen, den Anschlusszwang auf Neubauten zu beschränken“, fügt Markus Hilbert mit Blick auf den Streitfall Nettenberg hinzu. Da wisse jeder Hauseigentümer sofort, was auf ihn zukommt. Wie hier in den Bestand zu gehen und die Grundstücksbesitzer zur Kasse zu bitten, sei der falsche Weg.
Der Cronenberger Wilfried Klinke hat zur Diskussion am Nettenberg gleich noch ein altes Info-Heft mitgebracht, das in Wuppertal einst für die Versickerung von Regenwasser warb. Nicht nur Klinke wirft der Stadt eine Kehrtwende zu Lasten all jener vor, die bislang nicht an Regenwasserkanäle angeschlossen sind. „Auf meine Mieter kommen erhebliche Kosten zu“, fügt eine andere Hausbesitzerin mit Blick auf den Kanalanschluss hinzu.
„Der größte Teil der Kosten für den Kanal fällt ohnehin auf unserem Grundstück an“, ärgert sich eine Betroffene, während Norbert Lohmann, zuständiger Teamleiter bei der Stadt, betont, dass es der Verwaltung nicht um zusätzliche Einnahmen durch den Kanal gehe. Die Umsetzung von Wasserrecht führt er ebenso ins Feld wie die Gebührengerechtigkeit und den Umstand, dass es bei der Entwässerung immer auch um die Solidargemeinschaft aller Gebührenzahler in Wuppertal gehe. Warum die Stadt nicht bei der Bürgerinformation der WSW vor dem Kanalbau in Cronenberg vertreten war, wird beim Ortstermin ebenso gefragt wie nach der grundlegenden Informationspolitik beim Thema Stadtentwässerung.

„Der Zwang Zum Anschluss an den Kanal und dessen Kosten sind eine Unverschämtheit.“
Kurt-Jürgen Dawin

„Wir haben uns bemüht, ökologisch zu bauen und werden jetzt
dafür bestraft.“

Birgitt Hilbert

„In der Haltung der Stadt kann ich keinen guten Willen erkennen. Es geht nur ums Geld.“
Klaus Rummenhöller

Neue Fahrbahndecke und Abschluss
der Arbeiten im März

Konkrete Fragen kann Udo Lauersdorf, Abteilungsleiter bei den Wuppertaler Stadtwerken, im Gespräch beantworten. Demnach sollen die Bauarbeiten am Nettenberg im März dieses Jahres abgeschlossen sein. Den Stadtteil Cronenberg habe man in Sachen Regenwasser ohnehin weitgehend abgearbeitet, fügt Lauersdorf auch mit Blick auf die Regenbecken im Stadtteil zu. Zum Abschluss erhalte die Straße am Nettenberg dort, wo am Kanal gearbeitet wurde, noch eine neue Fahrbahndecke.
„Es ist ökologisch nach wie vor am Besten, wenn sauberes Regenwasser vor Ort versickert“, betont unterdessen der Biologe Joachim Pastors. Dass die Stadt beim Anschlusszwang davon abweiche, sieht auch er mehr als kritisch.

Gut besucht: Bei WZ mobil wurde gestern kontrovers duskutiert. Gut 40 Wuppertaler kamen zum Ortstermin in Cronenberg.

- verfasst 2008-02-10 20:35 in Kategorie:

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