Cronenberger Woche vom 8./9. Februar 2008

Nicht unbedingt „jeck“, aber deftig

Beim ersten Politischen Aschermittwoch der Cronenberger CDU hielt sich der Spaß-faktor in Grenzen. Bei Heringsstipp und Kölsch wurde aber Klartext geredet

CDU-Chef Andreas Weigel konnte CDU-Schatzmeister Lothar Hegemann (Ii.) und OB Peter Jung (re.) als Redner begrüßen.

Trotz Freibier, obwohl mit Girlanden und Luftschlangen geschmückt, so richtig Stimmung `a la Passau kam im Lebenshilfe-Saal nicht auf. Wobei: Anders als bei der CSU-Mutter des Politischen Karnevals war der Dörper Aschermittwoch auch nicht nur für Christdemokraten: Dass SPD-Chef Scherff oder Grünen-Sprecher Vorsteher sich bei Attacken auf die frühere rot-grüne Landesregierung nicht auf die Schenkel klopfen würden, war klar.
Obwohl: Die eine oder andere deftige Aussage hatte schon eine Rakete verdient. Beispiel, CDU- Chef Andreas Weigel: „Mit vollen Hosen ist gut stinken“, kommentierte der Dörper CDU-Chef den Antrag der Cronenberger Bürgervereine, den Bebauungsplan für das Einzelhandelsprojekt Unterkirchen wegen befürchteter Verkehrsprobleme auszusetzen. „Die Cronenberger CDU wird sich dafür einsetzen, dass es sich in Cronenberg gut leben und einkaufen lässt“, versprach Weigel.

Unterkirchen:
Bürgervereins-
Antrag „ist
bedenklich “.

Obwohl er nach eigenen Worten nur zu Wuppertaler Themen hatte sprechen wollen, nahm auch OB Peter Jung den Unterkirchen-Antrag der Bürgervereine „aufs Korn“. „Auch ich finde es bedenklich, dass es solche Anträge gibt“, sagte Jung, und zwar ausdrücklich auch in seiner Eigenschaft als Baudezernent. Investoren müssten einen gewissen Vertrauensschutz genießen, forderte Jung und zeigte sich sicher, „dass der Rat auch entsprechend entscheiden wird“.
Damit ALDI und akzenta in Cronenberg bleiben, bräuchten sie einen neuen Standort. Jung: „Das müssen wir unterstützen.“ Gleichzeitig zeigte sich der OB überzeugt, dass befürchtete Verkehrsprobleme nicht eintreten würden. Jungs Appell: „Lassen Sie uns den Weg weitergehen.“

Nachdem er die verspätete Einigung zur Sanierung der Kohlfurther Brücke (,‚Dass 700.000 Euro dafür zustande gekommen sind, ist wie ein Wunder“) und TiC-Sanierer Stephan Ries gewürdigt hatte (,‚Bei aller Verehrung für Ronald F. Stürzebecher, der Schnitt war notwenig“), sprach der OB städtische Themen an.

„Mit dem Soli muss mal Schluss sein.“

Im Mittelpunkt: die Finanzmisere der Stadt. „Wir brauchen eine neue Perspektive“, appellierte Jung. Seine Option zur Entlastung der Kommunen: die Abschaffung des „Solis“ für die neuen Länder. Einigen Städten im Osten gehe es inzwischen besser als manchen im Westen, da sei der „Soli“ „auf Dauer unhaltbar“. Jung: „Irgendwann muss gut sein.“ Klartext redete der OB auch zur strauchelnden WestLB: „Mit dem Saustall muss aufgeräumt werden.“
Nicht ganz so markig forderte. Lothar Hegemann, Schatzmeister der NRW-CDU, von der
WestLB über die Landschaftsverbände bis hin zu den Regierungspräsidien ein „schlankeres“ NRW. In launigen Worten im Ruhrpott-Klang ließ der Recklinghauser von Kopfnoten über Nokia und Feinstaub bis zum Häftlingsmord von Siegburg kaum ein Thema aus. Gleiches galt für Hegemanns Bilanz der Landesregierung: Seine „Kopfnoten“ für das Rüttgers-Team fielen durchweg positiv aus. Bis auf die für Innenminister Wolff (,‚Ein Problem“) – Kunststück, der ist ja auch von der FDP. Aber auch CDU-Parteifreund und Integrationsminister Erwin Laschet bekam eine Hegemann-Rüge, und zwar für seine Kritik am Wahlkampf von Roland Koch. Dass der CDU-Schatzmeister dann auch noch auf die bevorstehende Hamburg-Wahl oder Kanzlerin Merkel zu sprechen kam, quittierte eine Zuhörerin mit dem Satz.: „Der hat aber eine Luft.“
Trotz des Rede-Marathons, unter dem Strich fiel das Fazit des Politischen CDU-Aschermittwochs positiv aus. 2009 wird es damit wohl eine Zweitauflage geben. Schließlich war ja am Ende auch noch Suppe da – halt, Heringsstipp war‘s ja.

- verfasst 2008-02-10 19:47 in Kategorie:

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