Cronenberger Woche vom 30./31. März 2007 Seite 1

Bürgerbus fürs Dorf?

Schwabhauser Verkehrsexperte möchte die „Bürger fahren für Bürger“-Idee nach Cronenberg „importieren”

Die Anbindung Cronenbergs an den Öffentlichen Nahverkehr ist gut. Wenn man kein Auto hat, kann der Weg zur nächsten Haltestelle aber mitunter lang werden. Man denke an Hintersudberg. die Schulkohlfurth, Gelpe, Kaisereiche, Wilhelmring oder auch die Friedensstraße – wer hier schlecht zu Fuß ist, überlegt sich dreimal einen Abstecher ins Dorf.
Geradezu faszinierend klingt da die Idee des Schwabhausers Georg Kemper: die Einrichtung eines Bürgerbusses, der entlegene Winkel anfährt und die Anwohner ins Dorf „kutschiert“. Klingt „fantastisch“, aber rund 80 Bürgerbusse sind bereits in NRW unterwegs. Das Prinzip ist einfach: Es gründet sich ein Trägerverein, der den Bus betreibt, die Fahrer sind Ehrenamtler. Besondere Qualifikation ist nicht notwendig: Da es sich um Kleinbusse handelt, reicht der Führerschein Klasse B.
Die Bürgerbus-Idee wird vom Land gefördert, Wartung und mögliche Reparaturen werden von den Stadtwerken übernommen. In Leichlingen, wo Verkehrsfachwirt Kemper für den Verkehrsbetrieb tätig ist, der den dortigen Bürgerbus betreibt, klappt die Idee: Nach einer Anlauf-Durststrecke sei der Leichlinger Bus voll etabliert. Durchschnittlich 850 Fahrgäste im Monat fahren in der Blütenstadt auf die Idee „Bürger für Bürger“ ab: „Nach und nach wissen die Leute das Angebot immer mehr zu schätzen“, so Georg Kemper.
Aber auch für die Ehrenamtlichen ist die Bürgerbus-ldee ein Gewinn:
Die zumeist älteren Fahrgäste zeigten „sehr viel Dankbarkeit“, heißt es in einem Bericht, den der Kölner Stadt-Anzeiger vergangene Woche zum 5-jährigen Bestehen des Leichlinger Busses veröffentlichte: „Der Umgang mit den Menschen ist schön, man hört und erzählt viel, man wird miteinbezogen“, wird ein Fahrer zitiert. Dass der Bus das Miteinander fördert, weiß auch Georg Kemper: „Es fällt sofort auf, wenn ein Fahrgast mal fehlt.“
In Ronsdorf ist ein Bürgerbus seit Oktober letzten Jahres auf zwei Routen unterwegs. 600 bis 800 Fahrgäste im Monat, berichtet Günter Andereya, Schatzmeister des Trägervereins, steigen aktuell in den WiR-Bus ein. Zwar liegt man damit noch knapp unter der notwendigen Fahrgastzahl zur Deckung der Kosten, aber „wir sind sehr zufrieden“, zieht Günter Andereya ein positives Startfazit.
„Der Gedanke ist frappierend“. begrüßt Bezirksvorsteherin Ingeborg Alker die Idee. Zustimmung kommt auch von Stadtteilmanager Ulrich Fischer: „Ich kenne aus meiner Arbeit eine ganze Reihe Senioren, die davon angetan wären.“ Es gibt aber auch Vorbehalte:
Ebenso wie Rolf Tesche vom Cronenberger Heimat- und Bürgerverein, sehen auch die Sudbürger eine Gefahr: Dass ein Bürgerbus dazu genutzt werden könnte, das Linienangebot zu kürzen. „Grundsätzlich begrüßen wir aber ein solches Projekt“, so Sudbürger-Vizin Sabine Böttcher.
In der Bezirksvertretung stieß das Bürgerbus-Projekt indes auf ein positives Echo.

Gut oder unnötig – was halten Sie, liebe CW-Leser, von der Idee „Bürgerbus Cronenberg“? Schreiben Sie uns, machen Sie Vorschläge. melden Sie sich, wenn Sie sich als ehrenamtlicher Fahrer engagieren würden. Cronenberger Woche, Kemmannstraße 6, Telefon 478 11 00. E-Mail info@cronenberger-woche.de

- verfasst 2007-03-30 18:29 in Kategorie:

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