Cronenberger Woche vom 22./23. September 2017

Sudberg Einst konnte man hier gut leben…

„Sudbürger“ schwelgten bei einer Geschichtswanderung in Erinnerungen an das lebendige (Geschäfts-)Leben im Ortsteil.

Auch ein Stück “Sudberg von früher”: Peter Vorsteher (li) mit den Teilnehmern der Sudbürger-Wanderung vor dem “Odenwaldhazs”, das seit diesem Jahr leider Geschichte ist…

Sudberg. Der Bürgerverein „Sudbürger“ lud am vergangenen Samstag zu einer Wanderung ein:
Unter dem Motto „Sudberg früher und heute“ ging es dabei auf den Spuren von Vergangenheit und
Gegenwart durch Südzipfel Wuppertals. Der Start der zweistündigen Geschichtswanderung war direkt ein Beispiel für die gravierende Entwicklung Sudbergs von einem lebendigen Ortsteils in Richtung Schlafstadt“: Die Gaststätte Ehrhardt ist seit Januar geschlossen und wird einem Wohnhaus Neubau eichen – wohnen lässt es sich auf Sudberg immer noch bestens…!

Wie Sudbürger-Vorsitzender Peter Vorsteher auf dem Weg vom „Odenwaldhaus“ durch den Ortsteil erläuterte, war Sudberg einst aber mehr als nur Wohnquartier: Vorsteher gab den rund 25 Mitwanderern viele fast vergessene Erläuterungen zur Ortslage, die Manfred Stader, Horst Grünhagen und Renate Hinsche zuvor in den Geschichts-Werkstätten zusammengestellt hatten. So gab es auf Sudberg einst sechs Lebensmittelgeschäfte, acht Kneipen, zwei Bäcker, einen Metzger sowie eine Post: „Vor dem Krieg konnte man hier gut leben“, unterstrich Peter Vorsteher.

Sudberg war ein Stadtteil, der wirklich fast alles bot, das wurde an vielen Stationen der Sudbürger-Tour klar. Selbst Saaten und vieles andere für Haus wie Garten gab es hier zu kaufen. Wer trotzdem ins Dorf nach Cronenberg musste, stieg an der Endhaltestelle Sudberg in die Straßenbahn. Seitdem sie am 21. August 1969 stillgelegt wurde, sind öffentlicher Bus und Bürgerbus die (lebens-)notwendigen Verbindungen zur Außenwelt. Außer dem Kiosk an der Endhaltestelle, dem Hotel-Restaurant „Hauschnee“ oder dem Gartenland Knof ist dem Ortsteil nicht viel geblieben. Auch die 1903 eröffnete Volksschule in der Sudberger Straße wurde 1978 geschlossen – heute ist sie ein Wohnhaus.
„Ist das alles nicht sehr traurig?“ fragte mancher der Wander-Teilnehmer. Peter Vorsteher lenkte den Blick derweil auch auf ein Problem des Wohn-Standortes: Die zum Teil gewachsene und verwinkelte Infrastruktur vertrage nicht noch mehr Bebauung und – damit einhergehend – noch mehr Verkehr: „Das möchte ich auch unseren Stadt-Politikern klarmachen, die immer mehr vom Sudberg zu Bauland machen wollen“, unterstrich Peter Vorsteher engagiert, während er auf alte Häuser zeigte, in denen einst verkauft oder gehandelt wurde und heute nur noch gewohnt.
Eines aber hat sich der Sudberg erhalten: den schönen Blick zur Müngstener Brücke und hinüber nach Remscheid auf dem nächsten Berg zum Beispiel. Der schmucke Fußballplatz des SSV 07 Sudberg an der Riedelstraße ist für die Kicker ein Anlaufpunkt, während sich die Reiter den Dörper Süden wegen seiner verschiedenen Reitställe loben. Natürlich lockt der grüne Südzipfel an den Wochenenden zu Spaziergängen – ob das aber ein Trost für einst urbanes Leben in Sudberg sein kann?

Sudberg

Namensgeber für den Ortsteil war einst der Hof „Sudberg“. Er wurde erstmals 1549 urkundlich erwähnt. Heute umfasst das Sudberger Gebiet einen 3,42 Quadratkilometer großen Bezirk im Städtedreieck Wuppertal, Solingen und Remscheid.

- verfasst 2017-09-24 18:02 in Kategorie:

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